Krisen oder Quelle der Kraft – was zeichnet resiliente Unternehmen aus?

Inspiriert durch den Future Talk der Global Digital Women zum Thema „New Normal“ habe auch ich mir die Frage gestellt, was zeichnet resiliente Unternehmen aus.

Resilienz (von [1]

Die COVID19 Krise hat uns weltweit vor Augen geführt, dass Rumsfeld „Unknown Unknowns“[2] und das Konzept von VUCA – Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity“[3] keine theoretischen Konzepte sind, sondern Realität. In Krisenzeiten zeigt sich wie anpassungsfähig Organisationen sind. Oftmals wird von Resilienz als „Wundermittel“ gesprochen, aber was steckt dahinter?

 

1) Die Krise als Chance

Resiliente Unternehmen sehen die Krise als Chance, d.h. es wird nicht allein im akuten Krisenmodus verharrt, sondern eine Wachstums-Perspektive eingenommen: Welche Chancen liegen in der Krise? Was müssen wir tun, um gestärkt aus der Krise zu kommen? Können wir unser Geschäftsmodell anpassen z.B. durch Digitalisierung.

 

Für eine solche Wachstumsperspektive sind wichtig:

  • Eine offene Unternehmenskultur, die neue Wege und kritische Diskussionen zulässt (z.B. Working Out Loud unterstützen)
  • Sich seiner Stärken bewusst zu sein, um sich schnell erfolgreich auf realisierbare Chancen zu fokussieren (z.B. durch das Anwenden des Appreciative Inquiry Ansatzes)
  • Gestaltungsfreiräume zum Experimentieren, um neue Strategien im Kleinen auszuprobieren (z.B. Kollaborationen mit Start-Ups auch in der Krise weiternutzen)
  • Ein positiver Mindset, der vom Top-Management vorgelebt wird (z.B. Reframing der Krise als Chance kommunizieren und positive Beispiele hervorheben)

 

2)      Bewusstsein und Akzeptanz

„Mindfulness“ und Selbstwirksamkeit spielen bei der Entwicklung von persönlicher Resilienz eine wichtige Rolle.[4] Dies gilt im übertragenen Sinne auch für Unternehmen: Wenn Organisationen nur hektisch von Task Force zu Task Force hetzen und innere Ruhe nicht aushalten können, fällt es den Beteiligten schwer,

  • sich auf eigene Stärken zu konzentrieren,
  • Problemursachen tiefgehend zu analysieren und
  • Wichtiges von Unwichtigen zu unterscheiden.

Das Bewusstsein darüber, was ich als Mensch und was man gemeinsam im Unternehmen bewirken kann, ist ein starker Motivator und hilft Rückschläge zu überwinden. Schließlich weiß „man“, was man kann und dass die Krise ein Unternehmen nicht all seiner Stärken und Wettbewerbsvorteile beraubt. Gleichzeitig gilt es auch zu erkennen, was das Unternehmen nicht ändern kann, sodass Ressourcen nicht damit verschwendet werden, Unmögliches zu versuchen.

 

3)      Diversität & Ambidextrie

Diversifizierung des Produktportfolios oder der Produktionsstandorte helfen, Krisen zu überstehen, die sich auf wenige Branchen oder Länder beziehen. COVID19 sowie der Klimawandel gehören aber zu den Krisen, die global und viele Branchen betreffen. Nichtsdestotrotz kann z.B. die Erschließung neuer Kundengruppen helfen, dass Unternehmen breiter aufzustellen. Diversifizierung dient aber nicht nur der Risikoabsicherung – durch Aktivitäten in / mit unterschiedlichen Branchen / Produkten / Geographien / Kundengruppen profitieren Unternehmen vom Wert Diversität an sich: Lernen durch unterschiedliche Perspektiven

 

Nicht alles auf eine Karte zu setzen gilt auch dafür, wie unterschiedliche Probleme angegangen werden, d.h. Ambidextrie wird zum Leitbild. Dies bedeutet, dass je nach Problemstellung der Fokus auf „Exploitation des Bestehende“ oder „Exploration des Neuen“ gesetzt wird.[5]  Beides ist wichtig um erfolgreich zu sein und zu bleiben, verlangt aber sehr unterschiedliche Herangehensweisen und Fähigkeiten seitens Mitarbeiter und Management. Resiliente Organisationen sind in der Lage beide Vorgehensweisen zu leben und Raum zu geben.[6]

 

4)      Strategie als gelebter Prozess

Unternehmen die resilient sind, diversifizieren nicht nur ihr Produktportfolio und Lernen durch unterschiedliche Perspektiven, sie sind auch in der Lage, ihre Strategie schnell anzupassen. Hierfür eignen sich nicht starre Jahresrhythmen, sondern agil aufgesetzte Strategien, d.h. der Strategieprozess an sich wird agil:

  • OKRs (Objectives and Key Results) werden zur Steuerung strategischer Projekte herangezogen.
  • Szenariotechniken einbezogen
  • Design Thinking & Rapid Prototyping sowie Canvas Methoden in die Strategiefindung integriert

 

5)      Purpose

Wie immer zum Schluss das Wichtigste: Purpose. Menschen wie Organisationen fällt es leichter, Krisen zu akzeptieren und erfolgreich zu meistern, wenn sie für sich eine Bestimmung entwickelt haben. Zu wissen, was man wirklich will und wie man zum Wohle anderer beiträgt, bildet ein Kraftreservoir aus dem wir auch in Krisenzeiten schöpfen können. Dieses Wissen um den eigenen Purpose hilft:

  • Chancen auch in der Krise zu sehen, schließlich verfolgt man mehr als nur Gewinnmaximierung
  • Sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu sein
  • Auch in der Krise die eigenen Mitarbeiter zu motivieren

Was zeichnet Ihrer Meinung nach resiliente Organisationen aus? Welche Erfahrungen haben Sie in der aktuellen Krisensituation gemacht? Was hat Ihnen geholfen mit der Krise umzugehen und vielleicht gestärkt daraus hervorzugehen?

 

 Ich bin gespannt auf Ihre Antworten und Kommentare. 

 


[2] "Defense.gov News Transcript: DoD News Briefing – Secretary Rumsfeld and Gen. Myers, United States Department of Defense (defense.gov)".

[5] Osterwalder: The Invincible Company: How to Constantly Reinvent Your Organization with Inspiration From the World's Best Business Models

[6] Kotter: Accelerate

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